Generation ohne Lobby (2) – Die Analyse

Die Situation der Alten

Wie ich bereits bei der Darstellung der Alten schrieb, ist ein häufig genanntes Merkmal dieser Gruppe der Umstand, dass sie das Land nach dem Krieg aufgebaut hätten und zu einem der reichsten weltweit haben werden lassen. Das stimmt auch. Bei allem Wohlstand, den jene, die den verheerendsten Krieg aller Zeiten haben erleben müssen, möchte ich in keinem Fall mit ihnen tauschen. Und ich weiß auch, dass Kummer, Leid und Armut nicht am 09.05.1945 endeten, sondern auch die folgenden Jahre prägend blieben: Viele, vor allem, Väter, Söhne, Brüder, die nicht heimkehrten, viele Waisenkinder, viele gepeinigte Frauen, viele Vertriebene ohne jede Perspektive. Und unter schwersten Anstrengungen gelang ihnen der Wiederaufbau – infrastrukturell, politisch, ökonomisch, gesellschaftlich.

Aber, wer im Jahr 2013 mit 65 Jahren in Rente geht, ist 1948, sprich: nach dem Krieg, geboren. Auch wenn es hart klingen mag und auch, wenn ich das zuvor Geschriebene vor Augen habe: Diese Menschen wuchsen in die Prosperität hinein, nicht in ein Elend! Nicht umsonst ist die Generation der so genannten Babyboomer derart groß. Was wirtschaftliche Unsicherheit mit den Geburtenzahlen anstellt, sehen wir seit einer ganzen Weile. Daher können die Bedingungen in den Jahren 1946 – 1965 so schlecht nicht gewesen sein. Mittlerweile halte ich das Mantra: „Wir haben einen Krieg (oder dessen Folgen) erlebt und mussten das Land aus Trümmern wieder aufbauen“ für ein Todschlagargument!

Ein weiteres Faktum, welches es an dieser Stelle zu benennen gilt ist, dass das durchschnittliche Renteneintrittsalter die 65 Jahre noch nie erreicht hat. Die aktuellen Zahlen differieren durchaus, aber sie liegen in jedem Fall darunter. Die OECD verortet das Renteneintrittsalter bei deutschen Frauen bei 60,5 Jahren, bei Männern etwas höher, bei 61,8 Jahren. Die Boeckler-Stiftung gibt auf Basis der Zahlen der Deutschen Rentenversicherung 63,5 Jahre als Durchschnittswert an. Egal welchen Wert wir für die Argumentation zu Grunde legen, in beiden Fällen haben jene heutigen Rentner nichts mit den direkten Folgen des Krieges zu tun, sondern wuchsen in die goldenen Fünfziger hinein.

Es war jedoch auch damals nicht alles rosig, für die aufstrebende Generation. Auch sie zahlte beispielsweise Studiengebühren, damals so genannte Hörgelder. Diese sollen bei 150 DM, in einzelnen Fällen ein wenig darüber, gelegen haben. Inflationsbereinigt entspricht dies heute angeblich rund 260€, also einem ähnlichen Betrag, wie ich ihn habe entrichten müssen. Allerdings wurden jene Hörgelder nur bis 1970 erhoben und dann auf den Boykott vieler Studenten hin, eingestellt. Das bedeutet, dass lediglich der erste Schwung der Babyboomer überhaupt von, durchaus hohen Kosten, für das Studium belastet war.

Schreiten wir weiter. Eine Ausbildung oder ein Studium garantieren noch keinen Job, schon gar keinen vernünftig bezahlten – so ist es zumindest heute. Und damals? Ursula von der Leyen nahm kürzlich ein Wort in den Mund, welches unserer Generation nahezu fremd ist: Vollbeschäftigung. Heutzutage wird diese wohl definiert, als eine Beschäftigungsquote von über 95%, im Umkehrschluss also weniger als 5% Arbeitslosenquote. Früher waren die Kriterien sogar noch härter. Da galten 97% als Vollbeschäftigung. Und dennoch – sie wurde erreicht. Und zwar über einen Zeitraum von 15 Jahren (1959 – 1974)! In neun dieser 15 Jahre, lag die Arbeitslosenquote gar unter einem Prozent. Legte man die heutige Fünf-Prozent-Klausel zu Grunde, dann hätte die BRD von 1956 – 1980, also ein Vierteljahrhundert, Vollbeschäftigung vorweisen können. Nach den massiven Arbeitsmarktprobleme Mitte des letzten Jahrzehnts, haben sich die Arbeitslosenzahlen auch heute wieder deutlich nach unten korrigiert. Allerdings treffen diese kaum noch eine Aussage über die Qualität und die Entlohnung dieser Arbeit. Aber dazu später mehr.

Da das Studium, anfangs auch aufgrund der Kosten, nicht allen in der Gesellschaft möglich war, die Beschäftigungsquote jedoch derart hoch lag, müssen demnach auch jene, die „nur“ eine Berufsausbildung oder einen Facharbeiter gemacht haben, gute Möglichkeiten besessen haben, einen Job zu finden. Ich weiß, dass die Zahlen durch den großen Bevölkerungseinbruch im Zuge des 2. Weltkrieges und vor dem Hintergrund des Ernährermodelles deutlich begünstigt wurden. Das bedeutet zum einen, dass zumindest anfangs wenig arbeitsfähige Menschen vorhanden waren und zum anderen, dass das damalige Rollenbild von der Frau als Hausfrau und Mutter dazu führte, dass nur wenige von ihnen auf den Arbeitsmarkt drängten, sondern dieses Feld den Männern überließen (vielleicht überlassen mussten). Dennoch sind die Arbeitsmärkte von damals und heute in keiner Weise zu vergleichen. Damals war es möglich, auch ohne akademischen Grad eine vernünftige Anstellung zu finden, die einem selbst und auch der Familie, ein gutes Auskommen ermöglichte. Anders ist nicht zu erklären, warum ein Ein-Ernährer-Modell in derart großem Umfang gesellschaftliche Realität war. Es reichte damals ein Arbeitnehmer in der Familie, um diese zu versorgen.

„Versorgen“ hingegen ist ein zu schwaches Wort. Die damaligen Möglichkeiten gingen weit darüber hinaus. Generation Golf sei hier als Begriff genannt. Wer kennt sie nicht mehr, die verwackelten, zumeist schwarz-weißen, erst langsam Farbe annehmenden, Bilder aus den 60er Jahren? Auto (häufig eben ein VW Golf), Haus, Hund, Jahrsurlaub, gerne der weiße Lattenzaun in der Vorstadtsiedlung (ähnlich den USA), Fernseher etc. Und diese Möglichkeiten besaßen eben nicht nur Unternehmer oder Politiker oder erfolgreiche Sportler. Nein, diese Art von Wohlstand konnten sich damals sehr viele Menschen leisten. Nicht umsonst entstand später der Begriff des „Postmaterialismus“ oder der „postmaterialistischen Wende“ für die Zeit der Sechziger Jahre. Wer schon einmal von der Maslowschen Bedürfnis-Hierarchie oder -Pyramide gehört hat, der weiß, dass Menschen unterschiedliche Bedürfnisse haben: Zu Beginn physiologische Bedürfnisse wie Nahrung oder ein Dach über dem Kopf (Stufe eins) und Sicherheitsbedürfnisse wie Schutz, z.B. vor staatlicher Willkür (Stufe zwei), dann soziale Bedürfnisse wie soziale Beziehungen (Stufe drei) und erst dann Individualbedürfnisse wie Erfolg, Ansehen oder Prestige (Stufe vier) und zu guter Letzt das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung (Stufe fünf). Der Postmaterialismus geht davon aus, dass die menschlichen Grundbedürfnisse (Stufen eins, zwei, teils drei) befriedigt sind, so dass sich die Menschen einer postmaterialistischen Gesellschaft den Stufen vier und fünf zuwenden können. Dies traf auf die BRD ganz offenbar zu. Nicht anders ist zu erklären, dass sich in den 60er Jahren neue Fragen an Gesellschaft und Politik aufdrängten: Fragen nach der Elternrolle im Nationalsozialismus, Fragen nach der Gleichberechtigung von Mann und Frau oder aber nach freier Sexualität, aber auch bereits Fragen nach einem ökologischeren Leben. Ganz platt formuliert: Menschen, die nichts zu fressen haben und jeden Tag aufs Neue die eigenen Grundbedürfnisse befriedigen müssen, die stellen keine der zuvor genannten Fragen! Das heißt, dass auch dieser Umstand ein Indiz für die Prosperität (Punkt 23.) der 50er, 60er und teils 70er Jahre darstellt.

Ich gönne dieser Generation ihren Wohlstand. Sie haben diesen tatsächlich erarbeitet und nicht in den Schoß gelegt bekommen. Aber, ich bin der Ansicht, dass mit großer Macht oder großen Möglichkeiten auch eine große Verantwortung einhergeht. Und diese, ist nach meiner Meinung von einem Großteil der Babyboomer nicht wahrgenommen worden. Im Gegenteil: Mit Blick auf Fragen des Umweltschutzes und der nachhaltigen Energie-Erzeugung, gaben nicht wenige der Babyboomer in politisch verantwortlicher Position, noch 2010 die Antwort, dass diese nur mit Kernenergie zu erreichen seien. Und dies obwohl viele der Babyboomer bereits in den 70er Jahren, 1980 kulminierte dies u.a. in der Gründung der Grünen, gegen Atomkraft und Umweltverschmutzung protestierten. Jedoch nicht nur in diesem Bereich sehe ich erhebliche Verantwortungs-Defizite. Auch das zu lange Festhalten an der Kohle darf kritisiert werden, wenngleich ich den jeweiligen Stand der Wissenschaft hinsichtlich alternativer Möglichkeiten nicht ausblende. Zu spüren bekommt diesen Mangel an Alternativen seit vielen Jahren vor allem das Ruhrgebiet – ein Gebiet dessen Wohlstand auf Bergen von Kohle gebaut war. Dieser Berg stürzte ein und, weil Alternativen fehlten, geht es einigen Ruhrpott-Städten heute schlechter als einigen Regionen Ostdeutschlands. Überhaupt gab es wenig Augenmaß im Umgang mit Energie und Ressourcen. Auch wenn wir offenbar weltweit noch immer um unser „Wirtschaftswunder“ beneidet werden, gibt es mittlerweile auch kritische Äußerungen dazu. Nicht anders sind die Begriffe „Konsumterror“ und „Überflußgesellschaft“ zu deuten.

Wenn wir auf den Arbeitsmarkt blicken, stellen wir fest, dass es in der BRD der 60er Jahre derart viel Arbeit gab, dass in großem Stil Arbeitskräfte (viele aus der Türkei) nach Deutschland importiert worden sind. Sie durften hier leben und arbeiten, aber vielerorts wurden sie dennoch nicht richtig integriert. Natürlich ist Integration keine Einbahnstraße, aber die Anstrengungen der vergangenen Dekaden, das stellt die Politik heute selber fest, waren absolut nicht ausreichend. Ebenso wenig Verantwortung zeigte man im Hinblick auf das Ernährer-Modell. Auch hier gilt, dass es immer Zwei Personen geben muss – Eine, die etwas will und eine Andere, die dies mit sich machen lässt. Insofern müssen auch die vielen Hausfrauen und Mütter sich fragen, warum sie sich in dieser großen Zahl dem Ernährer-Modell unterworfen haben. Sie zahlen heute, denn die Gefahr von Altersarmut betrifft sehr oft Frauen, die im Leben nicht oder kaum arbeiteten, den Preis dafür. Spricht man über Generationengerechtigkeit, wird ein Begriff des Öfteren genannt: Die Staatsverschuldung. Vor allem in den letzten zweieinhalb Dekaden soll diese ja massiv gewachsen sein. Dies lag unter anderem an der Wiedervereinigung und dem damit verbundenen Aufbau Ost, zuletzt aber auch an der Bewältigung der weltweiten Finanzkrise und der sich anschließenden Euro-Krise. Schaut man sich die Staatsverschuldung Deutschlands jedoch konkret an, so stellt man fest, dass diese sich in den Jahren 1990 – 2010 nicht ganz vervierfachte. Betrachtet man die Zeit von 1950 – 1970, also die Phase des Wirtschaftswunders, der Vollbeschäftigung, der postmaterialistischen Wende, dann hat sich die Staatsverschuldung mehr als versechsfacht. Schreitet man fünf Jahre weiter bis 1975 (zwischenzeitlich Ölkrise), dann hat sie sich, ausgehend von 1950 sogar verdreizehnfacht. Da die Reparationszahlungen der BRD nur bei rund 2 Mrd. DM lagen, können die Schulden nicht auf diesem Wege entstanden sein. Vielmehr ließ man sich offenbar vom Wohlstand blenden und verprasste viel Geld. An das Morgen haben sehr wenige der Babyboomer gedacht. Die Tatsache, dass die genannten und viele weitere Probleme nicht angegangen wurden, hat dieser Generation viele Anstrengungen, viel Zeit, vor allem, ungemein viel Geld gespart. Geld, welches nicht selten in den persönlichen Konsum floß. Die Kosten werden die Babyboomer nur noch zu einem kleinen Teil tragen müssen. Stattdessen werden die Folgegenerationen zu Zahlmeistern.

Offensichtlich setzt sich dieser leichtfertige Umgang mit der Zukunft, also nicht der eigenen, heute fort. Auch die Babyboomer mussten Rückschläge erleben, aber ihnen geht es 2013 im Vergleich zur nachfolgenden Generation noch blendend. Unter anderem Anita Blasberg hat dazu einen ungemein lesenswerten Artikel verfasst. Sie geht der Frage nach, wer in der Gesellschaft das Sagen hat und beantwortet diese mit: Noch immer die Babyboomer! Neben einer Reihe kultureller Aspekte fokussiert auch sie Fragen nach der Situation der Babyboomer heute. Die Fakten, die Blasberg benennt, deuten darauf hin, dass meine Analyse der 50er – 70er Jahre so falsch nicht sein kann. Sie stellt unter anderem fest, dass die Babyboomer die größte und wohlhabenste Alterskohorte aller Zeiten sind. Sie kaufen heute 80% der deutschen Neuwagen, machen 50% des Jahresumsatzes der deutschen Tourismusbranche aus. Für rund 500 Mrd.€ jährlich gehen sie heute einkaufen. Damit verfügen sie über die Hälfte der deutschen Kaufkraft. Auch der Ölpreisschock von 1973, der oft als Ende des Wirtschaftswunders genannt wird, kann der westdeutschen Prosperität keinen solchen Dämpfer verpasst haben, wenn Blasberg feststellt, dass nie so viele Eigenheime gebaut worden sind, wie in den 70er und 80er Jahren. Irgendwie bekommt man den Eindruck, als hätten die Babyboomer nie wirklich existenzielle Probleme gehabt.

Vor diesem Hintergrund äußern einige Experten auch ihr Unverständnis über die Debatte um Altersarmut. Lediglich 2-3% der heutigen Rentner (wenngleich nicht alle von ihnen Babyboomer sind) gilt als arm und wird auf Grundsicherungs-Niveau versorgt. Rund 15% von ihnen gelten als armutsgefährdet. Aus diesem Grund ist die Politik ganz offensichtlich mehr als alarmiert und überbietet sich mit Konzepten, diesem Problem entgegenzutreten. Martin Werding von der Ruhr-Universität Bochum stellt zu Recht die Frage, warum angesichts der Zahlen solch ein Wirbel um die aktuellen Rentner gemacht wird, wenngleich die Armutsgefährdung bei den 18 – 25jährigen bereits bei 22,4% liegt. Er stellt klar, dass das Problem Altersarmut existiert, jedoch für die momentane Rentnergeneration deutlich überschätzt wird. Aber, das macht wiederum Blasberg sehr deutlich, sie sind Viele und, auch wenn sie selber gerne einen anderen Eindruck zu erwecken versuchen, sie sind sich ihrer Macht bewusst. Das besonders große Problem heute ist, dass sie (ich erinnere an Esping-Andersens status-konservierenden Typus) bei allen Veränderungen der Wirtschaft, Arbeitswelt und Gesellschaft keinerlei finanzielle Einbußen hinnehmen wollen. In ihren Augen müssen sich ganz offenbar die Prosperität des Erwerbslebens und die damit verbundenen Konsum-Möglichkeiten in der Rente fortsetzen. Und deshalb wird gemeckert und genörgelt – über jede Nullrunde, über jede (immer) zu geringe Rentenerhöhung, über steigende Preise, vor allem für Arzneimittel, über schlechte Betreuung, über Altersdiskriminierung und über ihre politische Ohnmacht. Die Veränderungen zum Schlechten sind nicht von der Hand zu weisen. Aber, zum Einen wird keine der kommenden Generationen im Erwerbsleben auch nur ansatzweise solche guten Möglichkeiten vorfinden, wie die Babyboomer. Zum Anderen wird unsere Rentensituation viel schlechter ausfallen, als dies heute der Fall ist, obwohl wir bereits im Erwerbsleben viel mehr in unsere Altersvorsorge werden investieren müssen. Vor diesen Umständen verschließt ein Großteil der Babyboomer die Augen. Aber nicht nur das. Sie fangen gar an, Druck auszuüben. Bisher geschieht dies noch wenig (direkt) an den entscheidenden Stellen in Politik und Gesellschaft, aber im Kleinen, in der Lokal- und Regionalpolitik sind die bereits in Rente befindlichen Babyboomer, verstärkt durch ihre Vorgängergeneration, auf dem Vormarsch.

Mit ihren Forderungen und ihrer Lobby werde ich mich im kommenden Artikel befassen.

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Über Alexander(s)platz

Berliner, Soziologe, Historiker, Blog-Azubi
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4 Antworten zu Generation ohne Lobby (2) – Die Analyse

  1. kurzgeschnitten schreibt:

    „Ebenso wenig Verantwortung zeigte man im Hinblick auf das Ernährer-Modell. Auch hier gilt, dass es immer Zwei Personen geben muss – Eine, die etwas will und eine Andere, die dies mit sich machen lässt. Insofern müssen auch die vielen Hausfrauen und Mütter sich fragen, warum sie sich in dieser großen Zahl dem Ernährer-Modell unterworfen haben.“

    steile these angesichts der gesellschaftlichen strukturen in den 50er jahren. sicher bin ich weit von „experte“ entfernt was die gesamte thematik betrifft, allerdings, soweit ich informiert bin, war es in den 50ern eher unüblich, dass frauen von der ihr zugedachten rolle als mutter und hausfrau abwichen. das ist also weniger eine frage von „mit sich machen lassen“ als in ein rollenbild hineinwachsen, dass wir heute als überholt und klischeehaft sehen und dem seit nunmehr jahrzehnten der kampf angesagt ist. wie weit diese diskussion gediehen ist, führt hier erstens zu weit und weicht zweitens von deinem eigentlichen thema ab.

    unabhängig davon stellt sich mir die frage, wie kommt es, dass die „jungen“ das gefühl haben, sie hätten keine lobby? sollten sie sich nicht selbst lobby sein, für ihre rechte eintreten, sich platz machen? korrigiere mich gern, wenn ich mich irre, denn wie gesagt, weit entfernt von experte, aber dem gefühl nach, nimmt die schärfe in der diskussion zu, wenn es sie zwischen vorhergehenden generationen überhaupt in der form, wie wir sie heute führen, gegeben hat. und da ist doch die frage erlaubt, woran liegt’s? sind die jungen zu lange eine nullbock-generation gewesen, haben sich ausgeruht und sich darauf verlassen, es wird sich schon alles finden?
    der protest in der form wie wir ihn dieser tage erleben ist, und auch hier wieder ein subjektiver eindruck, wenn nicht neu, dann doch zumindest von zunehmender ernsthaftigkeit und erstreckt sich auf themen, die globaler sind als der eigene kleine kosmos.

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    • Alexander(s)platz schreibt:

      Also, zum zweiten Punkt: Genau in der Beantwortung dieser Frage wird die Artikelreihe am Ende kulminieren. 😉 Ich werde versuchen, die Antwort auf möglichst breite Füße zu stellen. Mal schauen, ob dies gelingt.

      Zur ersten Frage: Ja, das Rollenbild war so. Dennoch gab es sicher auch in den 50ern bereits Frauen, die arbeiten wollten und dies taten. Nähme man das besagte Rollenbild als gegeben, dann bliebe die Frage nach dem Wandel in den 60ern und 70ern unbeantwortet. Wenn die Mütter nicht arbeiteten, warum kamen deren Töchter (gleich sozialisiert) plötzlich auf diese Idee? In den familiaristischen Wohlfahrtssystemen Südeuropas ist der Anteil arbeitender Frauen noch immer deutlich geringer, wenngleich dieser (ungeachtet der ökonomischen Situation) sicher arbeiten könnten. Insofern ist es auch eine Frage des Wollens. Und die war es, bei sicherlich deutlich größeren Schwierigkeiten, auch in den 50er und 60er Jahren. Da gab es auch schon Liberale, genauso, wie es nach ’68 noch eine Menge konservative Junge gab.

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      • kurzgeschnitten schreibt:

        auf die antwort freue ich mich und bin gespannt, zu welchem ergebnis du kommst.

        klar gab es die, aber wie wir heute immer noch feststellen können, nicht zuletzt an der jüngsten und immer noch schwelenden debatte, braucht die veränderung einer gesellschaft und ihrer strukturen zeit. und es ist sicher nicht jedem, geschweige denn der masse, gegeben, sich gegen rollenbilder aufzulehen, neue wege zu gehen.
        ob das ein manko der jungen ist – die ungeduld?

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        • Alexander(s)platz schreibt:

          Nein, Ungeduld ist eben gerade nicht das Problem. Mangelnde Ungeduld viel eher. „Die Jungen“ (zumeist deutlich jenseits der 20) wachen ja erst langsam auf und erkennen diese Thema als Problem bzw. artikulieren dieses. Die 68er waren im Schnitt wahrscheinlich 5-10 Jahre jünger, als die heutigen „Revoluzzer“ von Occupy, NGO’s oder anderen Organisationen. Die Debatte schwelt im Übrigen nicht wirklich, eben aufgrund ungleicher Machtverhältnisse und Lobbyarbeit. Wie ich schon schrieb: Generationengerechtigkeit wird (in Talkshows) nahezu ausnahmslos an der Renten- und Vorsorgefrage festgemacht. Und genau dies ist das Problem.

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